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Der Göttinnenglaube - Die ersten Schritte

Du interessierst dich für den Göttinnenglauben und hast nun haufenweise Fragen. Ich versuche, einige von ihnen hier zu beantworten. Du kannst mir auch gerne mailen. Weiter unten im Text findest du auch Links zu weiteren Kontaktmöglichkeiten. Für Fragen zum Glauben selbst, lies doch bitte die Texte in der Rubrik "Göttin" (vor allem den ersten) Praxis: Erste Schritte der Naturweg Erste Schritte der "Wohnzimmerweg" ;)

Erste Schritte

Da - wie schon erläutert - der Göttinnenglaube keine Organisation, kein heiliges Buch und keine MeinungsführerInnen kennt, musst Du Dir Deinen Glauben und Deine Glaubenspraxis selbst erarbeiten. Hierfür eignen sich für die meisten Menschen im Wesentlichen zwei Wege: Der erste Weg führt über die Natur und der zweite Weg über Rituale und die Erforschung der eigenen Spiritualität. Die meisten Menschen verwenden beide Wege gleichzeitig, man kann aber auch erst mal mit einem beginnen.

Der Naturweg

Der Göttinnenglaube ist eine Naturreligion. Wie in dem Einführungstext erläutert, ist alles, was IST, heilig, da alles Bestandteil der Göttin ist. Inklusive wir selbst. Alle sind unsere Verwandten: Bäume, Kräuter, Steine, Säugetiere, Insekten, Vögel etc. Um die Göttin zu erfahren, ist es also sinnvoll, die Natur zu erfahren, auf ihren Puls, ihren Rhythmus zu horchen. Spaziergänge Spaziergänge sind dazu eine Möglichkeit. Mir persönlich reichen allerdings einfache Spaziergänge nicht: Ich bin zu oft, als Jungfrau und Großstädterin nicht richtig bei der Sache beim Spazieren gehen, genieße oft nicht den Weg und bin in Gedanken bei der Arbeit oder dem Alltag. Auf die Art ist dann ein Spaziergang kein spirituelles Erlebnis. Starhawk schlägt in ihrem Buch "12 wilde Schwäne" eine andere, sinnvolle Art von Spaziergang vor: Den Spaziergang mit Tiefenachtsamkeit. Unter Tiefenachtsamkeit versteht sie einen fast schon meditativen Zustand. Dazu atmet man ganz bewusst in den Körper hinein, leert seinen Kopf von den Gedanken und atmet in die goldene Mitte des Körpers. Anders ausgedrückt könnte man es auch so beschreiben: ich entspanne mich völlig, öffne mich für die Eindrücke meiner Umgebung, freue mich über die ungemeine Schönheit des Lebens und nehme wahr, ohne dass der Verstand dazwischen funkt. Die Anleitung von Starhawk findet ihr HIER.

Naturmeditationen

Eine weitere Möglichkeit, die Natur und ihre Göttlichkeit zu erspüren ist, sich einfach draußen still hinzusetzen, das herz und die Chakren so weit wie möglich zu öffnen und dem Verstand zur Ruhe kommen lassen (Zwischenfunken am einfachsten ignorieren, dann hört er schon irgendwann auf). Das ganze soll keine schwierige buddhistische Meditationstechnik werden und anstrengend sein, es soll erholsam und wunderschön werden. Setz dich deshalb nicht unter zu großen Druck und ärgere dich nicht über das Geplapper von Ratio, das du manchmal hören wirst. Du kannst, wenn du magst, auch versuchen, zu spüren, wie es sich anfühlen könnte, ein Grashalm zu sein, ein Käfer oder ein Vogel. Freu dich einfach über alles, was du siehst, grüße Deine Geschwister und bitte, von ihnen lernen zu dürfen. Wenn du das erst ein paar mal gemacht hast, wirst du ziemlich sicher das einiges von ihnen lernen. Versuche, ob du den Ort spüren kannst, ob du zum Beispiel Unterschiede zwischen bestimmten Orten fühlst. Öffne Deine Sinne für die Bäume. Achte darauf, welche dich "anziehen". Grüße sie und bitte, von ihnen zu lernen. Sie werden dir gerne Schutz, Weisheit und Kraft spenden wenn du nur genug Geduld und Offenheit mitbringst und öfters mal vorbeikommst. Vergiss möglichst nicht, für alles, was du erhältst, dich zu bedanken. Viele Menschen, die einer Naturreligion folgen, lassen kleiner Opfergaben zurück als Dankeschön. Achte unbedingt darauf, dass die Opfergaben leicht verrottbar oder natürlich sind. Muscheln, Federn, Steine, Tabak, Kekse, Milch sind beliebte Opfergaben, aber auch fremden Müll wegräumen kann ein großes Dankeschön sein. Der Wohnzimmerweg

Die Göttin und die eigene Spiritualität

Die Göttin zu erfahren und Ruhe und Ausgeglichenheit zu finden, ist auch zuhause möglich. Dazu ist es am besten, einen festen Altar zu errichten. Und zwar einfach so, wie du es möchtest. Mit Tüchern, Kerzen, Statuen, Postkarten, Federn, Muscheln, was immer du möchtest. Im Idealfall sollte der Altar immer nur Altar sein und keine andere Aufgabe erfüllen. Er wird dann schneller zum Kraftzentrum als wenn dort gleichzeitig auch noch Krusch rumliegt, oder du immer den Küchentisch umdekorierst - aber im Notfall ist alles besser als nichts. Nimm dir - am besten täglich - regelmäßig nun ein wenig Zeit in der Du wirklich ungestört bist und auch nicht auf die Uhr achten musst. Setz dich einfach vor Deinen Altar und entzünde die Kerzen, sprich mit der Göttin oder konzentriere dich in Stille auf sie, auf die Welt, das Leben, die Schönheit, den Rhythmus des Lebens. Wenn du eine tiefe innere Wärme spürst oder riesige Liebe oder vielleicht Kribbeln, dann hast du dich vermutlich gerade geöffnet und kannst die Göttin fühlen. Es kann sich natürlich bei dir auch anders einfühlen und bitte kein Stress, nur weil es anscheinend nicht schnell genug Ergebnisse gibt. Du kannst auch versuchen, zu meditieren, zum Beispiel, in dem du in eine Kerze guckst und deine Gedanken leerst, aber für die meisten Menschen ist eine solche Meditation recht schwierig. Einfacher ist es, ganz den Alltag zu vergessen, nur den Altar zu sehen, vielleicht entsprechende Musik zu hören und Räucherung zu verbrennen und wie bereits gesagt, eventuell über die Göttin nachdenken. Auch Gebete sprechen oder Rezitieren ist natürlich eine Möglichkeit. Wichtig ist in erster Linie, dass du ganz bei der Sache bist, und es regelmäßig machst, dann wirst du merken, wie sich die Dinge verändern. Und: Zweifle nicht daran, dass sie dich hört, das ist unnütz.: Natürlich ist sie da - hier - überall- und hört dich. Du bist ein Teil von ihr und Dein Wohlergehen ist wichtig. Ein guter Text zum Meditieren, Nachdenken, Lesen, ist übrigens der Text "Worte der Sternengöttin".

Rituale

In vielen Büchern wirst du von Ritualen lesen. Wir verstehen im Heidentum unter Ritualen nicht sinnentleerte automatische Abläufe, wie das Wort heute oft gebraucht wird. Für uns sind Rituale zwar mehr oder weniger feste Abläufe, aber mit tiefem Sinn: Symbolische Handlungen, um mit der Göttin(nen) / den Göttern in Kontakt zu treten, eine hilfreiche Atmosphäre dafür zu schaffen, und manchmal auch, um Magie zu praktizieren Aber dazu an anderer Stelle mehr.

Ob und wie du Rituale abhältst, ist Deine persönliche Entscheidung. Du wirst in Büchern vermutlich von sehr aufwendigen Ritualen lesen mit großer Handlungsabfolge und vielem vorgegebenem Text. Nur die wenigsten Menschen empfinden so etwas als hilfreich und wenn es sich nicht gut anfühlt, dann lass es. Die Handlungen sind nicht als Show gedacht, es ist kein Theater. Du sollst bei allem, was du tust sehr konzentriert und offen sein, bewusst, sein. Zu einem Ritual gehört fast immer ein Schutzkreis oder magischer Kreis. Folge dazu bitte dem Link, das Thema würde diesen eh schon so langen Text sprengen : Mehr zu Ritualen allgemein findest du auch in der Rubrik Rituale.

Jahreskreis

Eine gute Möglichkeit, den Rhythmus des Lebens zu erfahren, ist es, die Jahreskreisfeste zu feiern. Über die Jahreskreisfeste im Internet sehr viel nützliches zu finden (vor allem hier). Kurz zusammengefasst handelt es sich um 8 wichtige Feiertage, die - basierend auf der keltischen Tradition - den Jahreskreis markieren. Die Sonnenfeste (Sonnwende: längster und kürzester Tag im Jahr und die Äquinoktien also die gleiche Länge von Tag und Nacht) und die Mondfeste. Die Sonnenfeste werden von fast jeder Kultur dieser Welt in irgendeiner Form gefeiert. Du kannst natürlich auch andere als die 8 Sabbate feiern, aber im Neuheidentum überwiegen diese Feiertage. Für solche Feiertage gibt es auch viele fertig gestaltete Rituale im Netz. Übernimm Dich aber nicht: weniger ist oft mehr. Es kann sein, dass du mehr davon hast, wenn du ganz einfach Deinen Altar in aller Ruhe entsprechend schmückst, etwas räucherst und über die Energie des Festes nachsinnst.

Ich habe fest vor, auch über die Jahreskreisfeste noch was zu schreiben - wenn ich mal irgendwann dazu komme :)

jana

jana at rotermond.de

26.03.2003