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Flora

Flora ist wundervolle, lustige, junge Göttin aus dem römischen Pantheon, sozusagen die klassische Jungfrau-Göttin. Sie herrscht über die Blumen sowie alles was blüht und wächst. Sie ist für den Frühling, Schönheit und Freude, Jugend und Fruchtbarkeit zuständig. Manchmal auch Wein und Früchte, obwohl es dafür noch extra Gottheiten gibt. Sie verleiht der Jugend den Charme, dem Wein das Aroma, dem Honig die Süße und den Blüten den Duft. Sie umgibt sich gerne mit Lachen, Freude und Schönheit.

Sie ist die Verkörperung von Kindheit, Jugend und Frühling - aber sie weiß um den Lauf der Dinge und kennt ihre älteren Schwestern. Für ein Spiel ist sie immer zu haben und mensch kann mit ihr gut über eine Wiese toben. Gerne beschützt sie auch Haus- und Gartenpflanzen, wenn ihr diesen Eure Liebe zuteil werden lasst.

Ihr Aufgabengebiet überlappt sich mit dem anderer römischer Gottheiten, wie Demeter und Aphrodite. Dazu konnte ich nocht nichts genaueres heraus finden, aber vermutlich ist es mal wieder, wie in allen Götterüberlieferungen, durch die verschiedenen Zeiten und die regionalen Unterschiede entstanden.

Vermutlich brachte Tacitus sie im 8 Jahrundert v.Chr. mit von den SabinierInnen. Diese kenne eine Feronia, die als Unterweltgöttin auch für die Blumen und ihr Wachstum zuständig ist. Darüber, seit wann Flora verehrt wird, weiß ich nichts. Ich hätte denke, dass sie eine Göttin jüngeren Datums ist, da sie einen derartig klar umgrenztes Aufgabengebiet besitzt. Jüngeren Datums ist also eventuell ab dam 8. Jahrhundert v.u. Zeitrechnung - es ist alles relativ ;) Anders als zum Beispiel bei Artemis finden sich bei ihr keine Hinweise mehr auf eine Allumfassende Göttin.

Es wird gesagt, dass Flora vielleicht der geheime Seelenname Roms war und Rom unter ihrem Schutz stand. Auf jeden Fall besaß sie in Rom in antiken Zeiten immer einen stattlichen Tempel. Ein alter Tempel, dessen genaues Erbauungsjahr unbekannt ist, lag auf dem Hügel Quirinalis, ein späterer, der 241 oder 288 v.Chr. geweiht wurde, lag auf dem Aventinus Hügel, nahe dem Circus Maximus und den Tempel von Ceres, Liber und Libera. Er wurde auf Weisung des sybillischen Orakels errichtet und später durch Augustus und Tiberias wiederaufgebaut. Ihre Priester - oder vielleicht doch Priesterinnen - wurden Flamen Floralis genannt. Über Ihren Kult weiss ich leider noch überhaupt nichts.

Das Fest zu Ehren der zweiten Tempelgründung wurde zum jährlichen Fest im römischen Kalender: die Floralia. Das Fest dauerte 6 Tage lang, vom 28. April bis zum 3. Mai. Vor den Floralia wurde der Gott des Korns geehrt und am 1. Mai die Göttin Maia, von der wenig überliefert ist. Auch sie ist eine Göttin des Wachstums - vielleicht eine weitere Manifestation Floras. Oder Flora bildet eine Einheit mit dem Robigus - einem er oder einer Sie, der Schutzgottheit von Bauern die Getreideanbau betreiben, Maia der Wachstumsgöttin, die mit Vulkan oder Mars verheiratet ist und Pomona, der Göttin der Früchte und der Ernte, sowie Ceres, die auch das Getreide wachsen lässt und Demeter, die Mutter, die über die gesamte Vegetation wacht. Oder es sind Konzepte verschiedener Traditionen, die parallel existierten. Ich denke, dass die verschiedenen Berufe ihre eigenen Götter hatten, die für sehr viel kleinere und konkretere Aufgaben zuständig waren und nicht für das Universum an sich. Sie gilt sie auch als niedere Göttin.

Die Floralia oder das Florifertum waren ein rauschendes Fest. Die Menschen schmückten sich und die Tempel sowie die Häuser mit Blumen und trugen farbenfrohe Kleider. Es fanden Wagenrennen, Spiele und Theateraufführungen statt. Die Leute zogen um die Häuser und feierten. Bohnen wurden als Fruchbarkeitssymbol unter die Leute geworfen. Hasen und Ziegen wurden freigelassen oder symbolisch gejagt. Auch sie gelten als Fruchtbarkeits-, Reichtums- und Glückssymbole. Es ist überliefert, dass die Prostituierten Roms Flora zur Schutzgöttin gewählt hatten und besonders aktiv an den Feierlichkeiten teilnahmen. Allerdings wäre eine interessante Frage, ab wann Prostitution, wie wir sie heute verstehen, in Rom verbreitet war und ob es auch noch das gab, was heute fälschlicherweise Tempelprostitution genannt wird. Auf jeden Fall waren die Festlichkeiten sehr ausschweifend. Wegen der zeitlichen Nähe wird von einigen vermutet, dass dies die Entstehung von Beltaine und Walpurgis sein könnte.

Es gibt nur wenig Legenden und mythologische Erzählungen über Flora und die vorhandenen dürften eine Erfindung von römischen Poeten ab dem 2. Jahrhundert vor Christus sein, da es in dieser Zeit Mode war, griechische Legenden zu erzählen. Dass dadurch die Gottheiten umgedetutet und entstellt wurden, schien nicht gestört zu haben. Es sind zwei Geschichten von Ovid überliefert. In beiden wird Flora nicht als Göttin, sondern als Nymphe bezeichnet. Die eine ist auch noch eine Raub- und Ehe-Story. *Schauder*

jana