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Holle

Holle - eine überaus lebendige und vielschichtige Göttin.

Nicht nur mich spricht Holle besonders an - ob es vielleicht daran liegt, dass wir sie aus unserer Kindheit als Märchenfigur kennen - sie kulturell ganz besonders nahestehend ist?

Ich kann hier nur meine ersten Eindrücke von Holle notieren. Andere haben bereits ganze Arbeit geleistet, was die Erforschung der Mythologie angeht. Unbedingt empfehlenswert ist Gardenstones Buch "Göttin Holle"

  • Göttin Holle - Buch
  • Ein Webprojekt zu Ehren Holdas
  • Holle bei Irmgards Göttinnenseiten
  • Schlangengesangartikel von Temkes

Holle ist die Jungfrau, die Mutter und die Großmutter und vielleicht noch mehr. Sie ruft mich. Jedes Jahr ab Mabon kann ich sie hören und fühlen. Nicht umsonst beschäftige ich mich seit zwei Jahren immer wieder mit dem Brauchtum des 6. Januars (dem Perchtentag) und der wilden Jagd. Für mich ist besonders der Großmutteraspekt wichtig. Aber Holle sollte nicht darauf reduziert werden, auch wenn der Holle die Jungfrau heute sehr verblasst ist (ich habe auch noch keinen Zugang zur Jungfrauenholle gefunden).

Sie ist für mich eine Göttin des Landes. Vielleicht nicht so stark wie Anu / Ana - aber doch klar verwurzelt und identisch mit unserer Landschaft- im Kerngebiet Hessen - aber ich denke ganz so eng, muss mensch es nicht sehen. Es gibt viele Theorien darüber, wer Holle ist. Klar ist, dass sie unter den Namen Hulda, Holda, Percht bekannt ist. Umstritten hingegen sind Theorien, sie wäre wahlweise Freya, Frigg oder Hel. Für mich ist sie keine der drei. Aber sie ist in meinen Augen die wichtigste (vielleicht gar alleinige?) Göttin eines "germanischen" Pantheons in dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Meine Theorie dazu ist, dass im deutschsprachigen Raum, sofern er germanisch besiedelt war, keineswegs die nordischen Götter und Göttinnen aus der Edda verehrt wurden. Zwar waren sie wohl in bestimmten Gegenden zu bestimmten Zeiten auch bekannt, aber die historische Realität wird viel bunter gewesen sein: Eine Mischung aus regionalem vor-germanischen Glauben, keltischem und germanischem Glauben. Wobei ja die Unterscheidung KeltInnen / GermanInnnen sowieso unklar ist - und auch Fundstücke und Brauchtum darauf hinweisen, dass "die GermanInnen" oder "die KeltInnnen" so einheitlich nicht waren, wie sie in heidnischen Kreisen gerne dargestellt werden.

Deswegen ist Holle für mich die Frau Wotans (beliebig gerne auch ohne Wotan zu betrachten :) Interessant ist nämlich an dieser Stelle, dass es auch viele Legenden und Überlieferungen gibt, in der es nur um Holle geht, Wotan nicht erwähnt wird) - vergleichbar mit Odin und Frigg - aber längst nicht identisch. Ich kann nicht mal wesentliche Gemeinsamkeiten entdecken.

Holle ist eine Göttin des Landes, der Landwirtschaft und des Hauses, sie ist eng verwoben mit dem Leben der Natur und des Menschen. Sie ist es, die den Feldern Fruchtbarkeit bringt, den Frauen die Kinder, sie ist es auch, die die Toten zu sich nimmt. Zu ihr können Menschen reisen (siehe das Märchen). Sie spinnt und jegliches Spinnen steht direkt mit ihr in Verbindung. Sie bereist das Land. Daher finde ich, sie ist mehr als andere eine Göttin, die ganz nah bei den Menschen ist, in ihrem Alltag. Vielleicht wird es bei ihr auch nur noch besser sichtbar - wurde es länger überliefert als bei anderen.

Nun habe ich aber noch nicht erklärt, warum sie für mich auch eine Göttin des Landes ist. Zum einen, weil sie regional ist - also Bezug zu einer Region hat. Zum anderen lebt sie in Höhlen unter der Erde, in Brunnen, Seen und Quellen- auch ein Berg wird als ihre Wohnstätte angegeben. Außerdem gibt es ja den bekannten Brauch dem Hollerbusch an ihrer Stelle Ehre zu erweisen. All dies in Verbindung damit, dass sie für die Fruchtbarkeit und Ernte zuständig ist, bedeutet für mich, dass sie identisch ist mit dem Land.

Alles in allem ist Holle für mich eine enorm tiefgründige und sorgende Göttin. Tiefgründig auch deshalb, weil sie durch die Fülle des Brauchtums und der Überlieferungen weniger verflacht ist als andere Göttinnen. Außerdem wird sie nicht umsonst als schöne Jungfrau, sorgende Mutter und hässliche Alte beschrieben. Sie ist also prinzipiell noch in all ihren Aspekten lebendig, muss nicht erst wieder völlig neu erforscht und zusammengesetzt werden in den Augen von uns Menschen. (Für mich bedeutet dies nicht, dass die Göttin zerteilt ist, sondern dass wir Menschen aus Unkenntnis eben nur bestimmte Aspekte wahrnehmen).

Viele sehen die Percht als den wilden Aspekt der Holle. Ich denke nicht, dass es ursprünglich so gedacht war, dass sie derartig wild und "gefährlich" erst durch die Christianisierung wurde. Andererseits hat jede Alte einen wilden Aspekt in sich: die sorgende Großmutter ebenso wie das häßliche Weib, dass sich frei macht von allen Regeln.