Texte

Netze weben

Lernen bei einer Göttin - Holle selbst erleben

Die Göttin Holle ist sehr präsent, ich finde mensch kann sehr leicht Kontakt zu ihr aufnehmen. Meine Theorie dazu ist, dass Sie eben durch das Märchen noch bekannt ist, nah an uns dran sozusagen. Aber vielleicht ist auch einfach nur meine persönliche Verbindung zu ihr höher als zu antiken Göttinnen anderer Kulturen.

Wir wissen recht viel über die Göttin Holle und all das ist bei Holle auch persönlich erfahrbar. Sie ist keine entfernte entrückte Göttin, sondern sehr alltagstauglich - und dabei doch auch für Initiationen zuständig. Ich weiß gar nicht mehr genau, wie ich über Holle stolperte oder was der äußere Anlass war. Ich stellte Ihr am 6.1. eine Speise hin und traf mich mit ihr. Denn für mich ist die Holle und Percht identische, Holle nur ein Aspekt oder Name der Percht - aber frau kann hier auch zwei unterschiedliche Göttinnen sehen...

Holle kam prompt und freute sich über meinen Teller. Sie brachte mich gleich mit ihrem ersten Satz aus der Fassung und stach in einen umfassenden und eher problematischen Themenkomplex. Ihre Begrüßung lautete nämlich "Möchtest du ein Kind?" Zwei Jahre lang begrüßte sie mich mit diesen Worten, ich bin gespannt, was sie dieses Jahr als erstes sagt. Während dieser ersten Begegnung mit der Holle beschloss ich spontan, es zu machen wie in ihrer Überlieferung - ihrem "Märchen": bei ihr in die Lehre zu gehen, wie die beiden Maries. Mir war nach dieser Entscheidung sehr mulmig, denn die Erzählung der Pechmarie ängstigte mich etwas und auch die Tatsache, dass ich in Sachen Hausarbeit faul bin, nicht viel Zeit habe und auch nicht besonders fähig, ließ mich eher an Pechmarie denken.

Meiner innersten Überzeugung nach strafen aber Göttinnen nicht in solcher Weise, wie wir das in Märchen oder Mythologien hören, meiner Überzeugung nach gibt es keine Strafen sondern nur Lernhilfen und das ist bei weitem nicht das gleiche. So darf auch Pechmarie zurückkommen, wenn sie aus eigenem Antrieb und echtem Wunsch heraus kommt. Es geht nicht darum, dass sie die Hausarbeit nicht gut genug erledigte, sondern darum, dass sie nicht aus sich heraus kam - nicht die Erfahrung suchte, sondern nur auf Geheiß ihrer Mutter da war.

Was heißt, bei Holle in die Lehre gehen? Schließlich wird es sich kaum um einen Hausarbeitskurs handeln - die Geschichte ist schließlich symbolisch. Apfel, Brot, Hausarbeit und der berühmte Schnee aus den Betten. Apfel ist ein sehr altes umfassendes Symbol: Sexualität und Weiblichkeit sind mit dem heiligen und magischen Apfel u.a. verbunden. Das Brot - gebacken werden - die Transformation. Beides sind nur ein Aspekt des jeweiligen Symbols. Bei mir folgten 3 interessante Jahre - denn ich verlängerte die Lehrzeit jeweils - eine spiralförmige Lehrzeit, in der die Themen jeweils immer tiefer bearbeitet wurden. Meine Themen bei Holle sind Erdung, Verwurzelung und Angemessenheit. Diese Themen passen für mich am besten zu ihrer Überlieferung und sind einfach meine Themen. Tja und das mit dem Nachwuchs gehört wohl auch dazu.

Die Holle, mit der ich am meisten Kontakt habe, ist die weise Grossmutter und Lehrerin, Mutter und Jungfrau Holle finde ich etwas schwieriger zugänglich. Vielleicht weil mir hier die Geschichten und inneren Bilder fehlen, die Vertrautheit, wie durch das Märchen.

Die Erfahrungen, die ich in den "Holle"-Jahren machte, sind sehr umfangreich, so dass ich sie hier nicht wiedergeben kann. Aber wenn jemand Lust auf Abenteuer, Initiation und Erdung hat, dem kann ich ähnliches nur empfehlen. Aber Vorsicht, es wird sich sofort auf dein Leben auswirken.

jana erschienen im Schlangengesang 21, Januar 2007