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Wilde Jagd

Die Wilde Jagd zieht in den Rauhnächten umher, soviel ist halbwegs klar. Klar ist auch, dass es sich um ein machtvolles Spektakel handelt, dass für Menschen nicht unbedingt ungefährlich ist. Zahlreiche spätmittelalterliche oder frühneuzeitliche Sagen berichten, wie Menschen knapp mit dem Leben davon kamen, als sie auf die Wilde Jagd trafen und zeichnen ein gar schauriges Bild.

Das Bild dürfte hauptsächlich so schaurig sein, weil es sich bei der Wilden Jagd heidnischen Ursprungs ist und daher notwendiger Weise in gewisser Weise böse und gefährlich für das christianisierte Mittelalter. In den Sagen kommt aber auch gut die Zweischneidigkeit heraus, einerseits wird die Wilde Jagd oft als etwas fürchterlich bedrohliches geschildert, anderseits gibt es Sagen, die sie wesentlich harmloser auf jeden Fall aber völlig normal erscheinen lassen. Wie zum Beispiel eine Sage, in der ein Mann einen besonderen Handschuh in den Zwölfnächten am Kamin findet und den Pfarrer (!) fragt, was er damit tun solle. Dieser sagt, dass er sicherlich jemandem von der Wilden Jagd gehöre und er diesen in den Rauhnächten im nächsten Jahr wieder an den Kamin legen solle, von wo er dann auch verschwindet. Es ist also augenscheinlich immer eine sehr vielschichtige Angelegenheit, wie solch alte Mythologie weiterlebte.

Die Wilde Jagd wird sehr unterschiedlich beschrieben. Mal ist es das Wilde Heer, dass von Wotan angeführt wird. Wotan wird meist gleichgesetzt mit Odin, ist aber auf jeden Fall dessen süddeutsche Variation. Das Heer besteht meist aus Jägern, einer Jagdgesellschaft und wenn es von Wotan (auch Wode) angeführt wird, nur aus Männern, begleitet von einer Meute wilder Hunde. Wotan /Wodan reitet meist auf einem Pferd, oft ein Schimmel.

Dann gibt es die - ich nehme mal an, neopaganistische Deutung - dass die Wilde Jagd das Totenheer, angeführt von Odin, sei. Ich hab das bisher noch in keiner Sage so gefunden, auch wenn es solche Sagenvarianten vielleicht auch gibt. Dieses Totenheer bezieht sich dann auf Ragnarök, den Weltuntergang in der nordischen Mythologie.

Die dritte Variante ist, dass die Wilde Jagd von der Percht oder Holle angeführt wird und mit ihr die Heimchen reiten. Die Heimchen sind die Seelen toter bzw. noch nicht (wieder)geborener Kinder. Oftmals wird Holle oder Percht auch als Gattin Wodans beschrieben. Auch in ihrem Gefolge reiten meist wilde Hunde. Aber auch Ziegen, Schweine und Hasen werden genannt. Alles Tiere, die mit Fruchtbarkeit in Verbindung stehen und in Mittelalter auch mit Sexorgien in Verbindung gebracht werden. Die Percht reitet oder fährt im Wagen, nicht immer mit Pferden.

Und schließlich gibt es noch eine im deutschsprachigen Raum eher unbekannte Variante der Wilden Jagd. Die Wilde Jagd ist in Norditalien ein geheimer Ritus der Hexen, die dort mit den Göttern und Geistern in wilder Jagd durch die Lüfte ziehen. Wobei dieser Ritus nicht auf eine bestimmte Jahreszeit beschränkt ist.

jana, 2.1.04